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Der Menüpunkt „Programm“ führt zu den zwölf Kapiteln des Online-Handbuchs, dem aktuellen Kompendium zum Internationalen Jugendprogramm. Schriftliche Auszüge finden sich unter „Medien“ in der Bibliothek zum Herunterladen.

 

Der Ablauf des Programmteils Expeditionen

Das Internationale Jugendprogramm in Deutscland e.V.

Textnummer: 570807

Erstellt am 2006/03/01, zuletzt geändert am 2009/04/14, begonnen am 1997/01/09

Der Ablauf des Programmteils „Expeditionen“ gliedert sich in die Hauptstadien Auswahl, Einführung, Ausbildung, Probetouren, Abschlussunternehmung (Planung, Durchführung und Schlussbesprechung) und Schlussreflexion (Bericht).

Das Internationale Jugendprogramm in Deutscland e.V.

Textnummer:

Erstellt am: 1. Januar 1997, geändert am:

Fotos:

Der Ablauf des Programmteils „Expeditionen“ gliedert sich in die Hauptstadien Auswahl, Einführung, Ausbildung, Probetouren, Abschlussunternehmung (Planung, Durchführung und Schlussbesprechung) und Schlussreflexion (Bericht).

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Prozess

Der Programmteil Expeditionen umfasst folgende Schritte:

  1. Vorbereitung;

  2. Ausbildung;

  3. Probetouren;

  4. Abschlussunternehmung (Vorbereitung, Durchführung, Schlussbesprechung und Bericht);

  5. Gutachten.

 

Vorbereitung

Erster Schritt ist die Bildung einer Gruppe, die zusammen die Expedition durchführen will. Diese muss zwischen vier und sieben Personen umfassen (maximal acht bei Fortbewegungsarten mit Zweierteams wie bei Kanadiern oder Fahrrad-Tandems). Es kommt oft vor, dass die Gruppe, die zusammen am Programm teilnimmt, größer ist als eine Expeditionsgruppe. In diesem Fall kann es erforderlich sein, dass der Leiter bei der Gruppeneinteilung hilft. Die Gruppen können sich nach unterschiedlichen Motiven bilden: Freundesgruppen, Lust auf ein bestimmtes Expeditionsgebiet, Vorliebe für eine bestimmte Fortbewegungsart, Interesse an einer speziellen Zielsetzung usw.

Sobald die Gruppe steht, sind die Eckdaten der geplanten Unternehmung festzulegen. Ist eine „normale“ Expedition vorgesehen – oder soll es eine Erkundung (ab der Silberstufe möglich) oder gar eine Besondere Naturunternehmung (nur für Goldteilnehmer ab 18) sein? Welche Zielsetzung soll die Expe­dition haben? Wo soll die Tour stattfinden? Welche Fortbewegungsart ist gewünscht?

Die Zielsetzung muss sowohl zu den Fähigkeiten und Interessen der Gruppenmitglieder wie auch zum Expeditionsgebiet passen. Die richtige Zielsetzung ist der Schlüssel für den Erfolg der Unternehmung: nur auf ihrer Grundlage lässt sich eine effektive, herausfordernde Expedition mit einem klaren Ergebnis planen. Nur durch die Landschaft zu ziehen genügt nicht!

Beispiele für solche Zielsetzungen sind:

  1. Eine Arbeit im Zusammenhang mit dem Expeditionsgebiet, z.B. die Untersuchung der Erosion von Wanderwegen oder der örtlichen Tierwelt;

  2. Eine körperlich anspruchsvolle Expedition – zum Beispiel eine Silbertour mit 50 km Wegstrecke;

  3. Mit Hilfe von Kanadiern eine Dokumentation historischer Bauwerke an einem Flussabschnitt erstellen;

  4. Die Gruppendynamik und das Teamwork während der Tour untersuchen.

Die Gruppe muss wissen, dass ihr Expeditionsbericht auf der Zielsetzung der Unternehmung basiert und das Resultat eigener Beobachtungen während der Expedition sein muss.

Die festgelegte Zielsetzung ist dann eine große Hilfe bei der Wahl einer passenden Umgebung für die Expedition. Sofern die Wahl überhaupt besteht, entscheidet der Zeitaufwand für die mit der Zielsetzung verbundenen Arbeiten letztlich auch darüber, ob eine Expedition im engeren Sinn oder eine Erkundung zu planen ist.

Schließlich muss die Gruppe mit dem Leiter und/oder der Aufsichtsperson die Fortbewegungsart festlegen. Diese muss zu Zielsetzung, zum Expeditionsgebiet und zum bereits vorhandenen oder noch anzueignenden eigenen Können passen und Spaß bereiten.

Wenn dies alles erledigt ist, werden mit der Gruppe der Trainingsplan und die Termine von Probetouren und Abschlussunternehmung festgelegt.

 

Ausbildung

Alle Teilnehmer müssen entsprechend dem Stoffplan für die Programmstufe (vgl. Online-Handbuch bzw. Leitermappe) so ausgebildet werden, dass sie die Abschlussunternehmung in der gewählten Umgebung und Fortbewegungsart sicher durchführen können. Folgende Themen sind abzudecken:

  1. Sicherheit und Notfallmaßnahmen;

  2. Erste Hilfe;

  3. Navigation;

  4. Biwakieren;

  5. gesetzliche Vorschriften;

  6. Beobachtung, Dokumentation und Zielsetzung;

  7. Teambildung;

  8. erforderliche Kompetenz in der Fortbewegungsart und in Bezug auf die gewählte Umgebung.

Der größte Teil der Ausbildung findet draußen statt. Sie muss von Personen durchgeführt werden, die über die notwendigen Fähigkeiten und Erfahrungen in der Fortbewegungsart und der Umgebung verfügen, in der die Unternehmung stattfindet. Durch das Internationale Jugendprogramm werden keine bestimmten Qualifikationen vorgeschrieben, außer für den vorausgehenden Erste-Hilfe-Kurs, der EH-Ausbildern der Rettungsorganisationen oder vergleichbar qualifiziertem Personal vorbehalten ist.

Ein Teil der Ausbildung kann während der Schul- oder Arbeitszeit stattfinden, wenn diese Themen dort behandelt werden. Aber sowohl für die Probe- wie die Abschlussunternehmungen müssen die Teilnehmer einen angemessenen Anteil an freiwilligem Engagement und Freizeiteinsatz nachweisen.

Vor den Probetouren müssen die Ausbilder im Begleitheft bestätigen, dass die Teilnehmer die erforderliche Ausbildung erhalten und die für die geplante Unternehmung notwendige Kompetenzstufe erreicht haben.

 

Probetouren

Zwischen Ausbildung und Abschlussunternehmung müssen alle Gruppen Probeunternehmungen durchführen. Hierbei können sie bei Bedarf von Erwachsenen begleitet werden. Die letzte Tour muss ohne Begleitung stattfinden.

Die Probeunternehmungen dürfen weder dieselbe Route benutzen wie die Abschlussunternehmung noch sich in der Nähe dieser Route bewegen. Die Bedingungen sollten der Abschlussunternehmung möglichst nahe kommen und sie sollten in einer gleich anspruchsvollen Umgebung stattfinden.

Probeunternehmungen müssen auf der Bronzestufe mindestens eine und bei Silber und Gold mindestens zwei Übernachtungen im Biwak beinhalten. Die Ausbilder müssen im Begleitheft bestätigen, dass die erforderlichen Probeunternehmungen abgeschlossen wurden.

Probeunternehmungen ohne Begleitung müssen beaufsichtigt werden. Wenn sie in einem der für Goldexpeditionen ausgewiesenen Wildnisgebiete stattfinden, müssen sie mit dem Meldeformular für Expeditionen in Wildnisgebieten fristgerecht angemeldet werden.

Probeunternehmungen bieten eine ausgezeichnete Möglichkeit für Erprobung und Auswahl von Kleidung und Ausrüstung für den persönlichen und den Gruppenbedarf und für die Entwicklung einer Idee für die Zielsetzung der Abschlussunternehmung. Sie erleichtern die Teambildung und helfen den Teilnehmern dabei, die für die Abschlussunternehmung benötigten Kenntnisse und ihre körperliche Fitness richtig einzuschätzen.

Es ist nicht empfehlenswert, Probeunternehmungen unmittelbar vor der Abschlussunternehmung durchzuführen, da dies die Teilnehmer überfordern könnte.

 

Abschlussunternehmung

Planung und Organisation

Die Planung und Organisation der Abschlussunternehmung muss ein gemeinsames Unterfangen der Gruppe sein. Im Team legen die Teilnehmer eine Zielsetzung fest, finden eine Umgebung, die zu dieser passt, wählen geeignete Routen aus, ermitteln Biwakplätze in passendem Abstand und erstellen Routenpläne und Streckentabellen.

Diese Ausarbeitungen müssen dem Gutachter über die Aufsichtsperson zur Genehmigung vorgelegt werden. Sie sollten den genauen Verlauf der Route, Entfernungen, Kontrollpunkte und die Zeitplanung anzeigen, in Wildnisgebieten zusätzlich auch alternative Schlechtwetterrouten, Rückzugswege und mitzuführende Verpflegungsrationen.

Der Gutachter ist auch über die Zielsetzung der Unternehmung, die Form und Art des Berichts und die Person, der er vorgelegt werden wird, zu informieren. Die Gruppen müssen sicherstellen, dass ihre Planung dem Gutachter am Ende hinreichend Zeit für die Schlussbesprechung lässt.

Expeditionssaison

Die Expeditionssaison erstreckt sich über den Zeitraum zwischen Anfang April und Ende Oktober, d.h. ungefähr den Bereich der Sommerzeit. Die verlängerten Tage können großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Teilnehmer und die Gemütsruhe der beteiligten Erwachsenen haben.

Bei Unternehmungen, die am Rande der Saison stattfinden, ist darauf zu achten, dass die Gruppen in der Lage sind, die geforderten Entfernungen sicher bei Tageslicht zurückzulegen. Sehr erfahrenen Teilnehmern kann vom Programmanbieter die Expedition zu anderen Zeiten schriftlich genehmigt werden.

Gruppenzusammensetzung

Die Gruppe muss nicht ausschließlich aus Programmteilnehmern bestehen und die Expedition muss nicht für alle Gruppenmitglieder eine Abschlussunternehmung sein. Aber alle Teilnehmer müssen die gleichen Standards von Ausbildung und Ausrüstung erfüllen. Im Idealfall sind alle Gruppenmitglieder ungefähr gleich alt und erfahren; bei der Abschlussunternehmung müssen alle das erforderliche Alter besitzen.

Wer den Programmteil Expeditionen bereits auf der gleichen oder einer höheren Stufe abgeschlossen hat, darf nicht an der Abschlussunternehmung teilnehmen.

Jede Abschlussunternehmung qualifiziert für eine bestimmte Programmstufe; Teilnehmer unterschiedlicher Stufen dürfen nicht zusammen in einer Gruppe sein. So kann z.B. eine Gruppe nicht gleichzeitig Silber- und Gold- bzw. Bronze- und Silberteilnehmer umfassen.

Wasserunternehmungen: Anzahl der Boote

Um sich gegenseitig Hilfe leisten zu können, müssen mindestens zwei Fahrzeuge eingesetzt werden. Dies gilt nicht für Ruderboote, Kielboote oder Yachten, die die ganze Gruppe aufnehmen können.

Übernachtung und Verpflegung

Übernachtet wird in Zelten. Unter außergewöhnlichen Umständen kann durch die Programmleitung des Programmanbieters die Verwendung von Scheunen oder Hütten vorab schriftlich erlaubt werden. Die Benutzung von Scheunen oder Hütten in Notfällen ist erlaubt.

Bei Expeditionen muss jede Nacht ein anderes Biwak benutzt werden, bei Erkundungen kann ein Platz mehrmals Verwendung finden, wenn dies für die Unternehmung notwendig ist.

Jeden Tag muss mit der mitgeführten Ausrüstung und Verpflegung eine echte, warme Mahlzeit zubereitet werden.

Ausrüstung

Kleidung, Schuhwerk und Ausrüstung müssen für die Aktivität und die Umgebung, in der diese stattfinden soll, geeignet sein und den gängigen Standards genügen. Die Schutzfunktion der Ausrüstung darf auch bei ungünstigsten Wetterverhältnissen nicht nachlassen, denn bei einer ernsthaften Verschlechterung der Lage kann die Sicherheit davon abhängen, dass sie diesen Verhältnissen standhält.

Einzelheiten zur persönlichen Grundausrüstung, die ständig mitgeführt werden muss, sind im Online-Handbuch und in der Leitermappe aufgeführt. Ihr wesentlicher Teil ist praktisch unabhängig von der Fortbewegungsart.

Die gesamte Ausrüstung und Verpflegung für die Unternehmung muss von der Gruppe mitgeführt werden. Unter außergewöhnlichen Umständen kann der Programmanbieter schriftlich erlauben, dass für einige Teilnehmer ein Teil der Ausrüstung oder Verpflegung an den Biwakplätzen deponiert wird. Aber auch diese müssen immer ihre Grundausrüstung und ihren Schlafsack bei sich haben. Außerdem wird von ihnen normalerweise erwartet, dass sie – wie auch die anderen Gruppenmitglieder – Ausrüstung bis zu ungefähr einem Viertel ihres Körpergewichts tragen.

Jede Gruppe muss ständig mindestens ein Zelt, Kochausrüstung und Verpflegung im notwendigen Umfang mit sich führen, so dass im Bedarfsfall jederzeit ein Lager als sicherer Schutzraum eingerichtet werden kann.

Routenplanung

Unabhängig von den Vorgaben für die einzelnen Stufen muss die Abschlussunternehmung in einer Umgebung stattfinden, die für die Teilnehmer eine angemessene Herausforderung darstellt.

  1. Wandern: Straßen dürfen für kurze Abschnitte nur benutzt werden, wenn sich dies nicht vermeiden lässt. Dörfer sind grundsätzlich zu umgehen.

  2. Fahrradfahren: Die Routen sollten auf Straßen unterer Ordnung, Wegen und Pfaden verlaufen, Radfahren auf Fußgängerwegen ist verboten. Dörfer sind soweit möglich zu umfahren, was aber wegen der großen Entfernungen insbesondere auf der Silber- und Goldstufe nicht immer möglich ist. Die Strecke von zu Hause bis zum Startpunkt der Unternehmung kann nicht mitgezählt werden.

  3. Reiten: Die Routen sollten auf Wegen und Pfaden verlaufen, Dörfer sind soweit möglich zu meiden.

 

Gutachten

Schlussbesprechung

Unmittelbar nach der Abschlussunternehmung findet unter Leitung des Gutachters das Abschlussgespräch mit Gruppe und Aufsichtsperson statt. Verlauf und Ergebnis werden erörtert und der Gutachter macht die erforderlichen Eintragungen in die Begleithefte.

Bericht

Wenn die Teilnehmer ausreichend Zeit hatten, ihre Expedition zur reflektieren, fassen sie ihre Erfahrungen in einem Bericht zusammen. Dessen Form legen die Teilnehmer fest: schriftlich oder mündlich, durch Foto, Video oder Audio, als Tonbildschau oder auf jede andere interessante Art und Weise und natürlich auch als Kombination mehrerer Formen.

Um die Zielsetzung der Unternehmung und deren Abschlussbericht aufzuwerten, dürfen die Teilnehmer den Bericht jedem Erwachsenen vorlegen, der in Vorbereitung oder Durchführung der Unternehmung einbezogen war – Leiter, Gutachter, Aufsichtsperson, Ausbilder oder, mit Einverständnis des Leiters, auch jeder anderen geeigneten Person. Die Person, die den Bericht erhält, muss mit den Teilnehmern hinreichend vertraut sein, um Vorlage oder Beitrag in Hinblick auf Alter und Fähigkeit beurteilen zu können.

Auf dieser Grundlage können phantasievolle Berichte und Präsentationen in Diaform oder anderen audiovisuellen Darstellungsarten erstellt werden. Mit deren Hilfe teilen die Teilnehmer ihre Erfahrungen mit Freunden, Kollegen, Eltern und anderen und erhalten mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung für ihre Bemühungen.

Die Berichte sollten auf authentischen Beobachtungen und Aufzeichnungen beruhen und sich nicht mit Trivialitäten wie Einkaufslisten und Speiseplänen aufhalten. Viel spannender sind Darstellungen von Gefühlen, Beziehungen oder Reaktionen auf die Umgebung, sowohl jedes einzelnen als auch der ganzen Unternehmung.

Bei einer praktischen Zielsetzung können Modelle, Kartenskizzen, Diagramme und Fotos die Qualität des Berichts steigern. Entsprechend können z.B. Skizzen, Malereien, Collagen, Stickereien oder Webereien in einem ästhetischen Zusammenhang verwendet werden oder ein Theaterstück bei einem literarischen Thema. Wenn die Zielsetzung der Unternehmung der Abschluss einer körperlich anspruchsvollen Tour ist, sollte der Bericht systematische Aufzeichnungen zu der körperlichen Leistungsfähigkeit oder von Gedanken und Gefühlen in verschiedenen Stadien der Unternehmung enthalten.

Mündliche Berichte können dem Gutachter am Schluss der Unternehmung vorgetragen werden – nach vorheriger Vereinbarung, da dies beträchtlichen Zeitaufwand erfordert. Für die Präsentation müssen geeignete Vorkehrungen getroffen werden; sie muss getrennt von der unmittelbar nach Beendigung der Unternehmung vom Gutachter durchgeführten Schlussbesprechung erfolgen.