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Der Menüpunkt „Programm“ führt zu den zwölf Kapiteln des Online-Handbuchs, dem aktuellen Kompendium zum Internationalen Jugendprogramm. Schriftliche Auszüge finden sich unter „Medien“ in der Bibliothek zum Herunterladen.

 

Segelunternehmungen

Das Internationale Jugendprogramm in Deutschland e.V.

Textnummer: 239204

Erstellt am 2005/11/10, zuletzt geändert am 2009/04/26, begonnen am 2003/06/10

Expeditionen und Erkundungen auf Jollen bieten eine aufregende Alternative zu Unternehmungen zu Fuß. Die folgende Arbeitshilfe ist in Verbindung mit dem allgemeinen Stoffplan und der Anleitungl „Unternehmungen auf dem Wasser“ zu lesen.

Das Internationale Jugendprogramm in Deutschland e.V.

Textnummer:

Erstellt am: 10. Juni 2003, geändert am:

Fotos:

Expeditionen und Erkundungen auf Jollen bieten eine aufregende Alternative zu Unternehmungen zu Fuß. Die folgende Arbeitshilfe ist in Verbindung mit dem allgemeinen Stoffplan und der Anleitungl „Unternehmungen auf dem Wasser“ zu lesen.

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Diese Anleitung muss in Verbindung mit „Unternehmungen auf dem Wasser“ gelesen werden.

Expeditionen und Erkundungen auf Jollen bieten eine aufregende Alternative zu Unternehmungen zu Fuß. Obwohl diese Boote in der Anschaffung sehr teuer sind, werden sie in den entsprechenden Gebieten zu tausenden in Outdoor-Zentren und Segelvereinen verwendet. Sie werden von vielen Jugendlichen genutzt, die ggf. sogar schon eine Segelausbildung besitzen. Jollen haben den Vorteil, sehr mobil zu sein, da man sie leicht auf dem Anhänger transportieren kann. Sie benötigen in aller Regel keine teure Hilfsausrüstung wie z.B. Funkgeräte und die Wartung ist relativ billig und einfach im Vergleich zu Yachten. Da das Segeln auf Jollen so weit verbreitet ist, kann man diese in den entsprechenden Gebieten häufig bei Vereinen, Jugendorganisationen, Schulen, etc. ausleihen.

In Deutschland gibt es noch keine Praxis mit Segelexpeditionen im Rahmen der Vorgaben des Internationalen Jugendprogramms, die als Grundlage für diese Anleitung dienen könnte. Bezüglich des technischen Könnens mit den beiden zugelassenen Bootstypen werden deshalb britische Standards der „Royal Yachting Association“ (RYA, http://www.rya.org.uk) zugrunde gelegt. Qualifikationen des „Verbands Deutscher Sportbootschulen“ (VDS, www.sportbootschulen.de) bzw. des „Deutschen Segler-Verbands“ (DSV, www.dsv.org), die diesen einigermaßen entsprechen, sind soweit vorhanden aufgeführt.

 

Anforderungen und Bedingungen

„Unternehmungen auf dem Wasser“ sind unbedingt zu beachten.

Boote

  1. Bronze: Es sind grundsätzlich Jollen zu verwenden. Offene Kielboote dürfen nur mit Erlaubnis des Koordinationsbüros eingesetzt werden.

  2. Silber und Gold: Jollen und offene Kielboote.

Eine Expeditionsgruppe muss aus mindestens zwei Booten bestehen, um im Notfall gegenseitige Hilfe leisten zu können.

Können

  1. Bronze und Silber: Je nach Bootstyp Fertigkeiten entsprechend „Dinghy Certificate Level 3“ oder „Keelboat Certificate Level 3“. Diese Ausbildung entspricht in etwa dem Segelgrundschein des VDS (Verband Deutscher Sportbootschulen) bzw. dem DSV-Jüngstensegelschein. In Deutschland muss für einige Binnengewässer der „Sportführerschein Binnen“ vorhanden sein, der in verschiedenen Segelschulen angeboten wird. Näheres hierzu kann beim VDS oder beim DSV erfragt werden..

  2. Gold: Fähigkeiten, die dem „RYA National Dinghy Certificate Level 5“ oder dem „RYA Day Skipper Shorebased“ entsprechen. Dies entspricht in etwa den Kenntnissen des DSV-Sportsegelscheins.

 

Ausrüstung

Alle Boote müssen intakt und für die Umgebung, in der sie verwendet werden, passend und hergerichtet sein. Jollen müssen mit einer ausreichenden Anzahl an Luftsäcken ausgerüstet sein, die fest am Boot angebracht sind und vor Abfahrt getestet wurden.

Obwohl es den Teilnehmern erspart bleibt, Essen und Ausrüstung auf dem Rücken zu tragen, wird von ihnen dennoch Disziplin bezüglich der Reduzierung des Gewichts und der Anzahl der Dinge, die mitgenommen werden, gefordert. Häufig wird Dosennahrung verwendet, da diese nicht vor Wasser geschützt werden muss, allerdings sollte diese mit einem wasserfesten Stift gekennzeichnet werden für den Fall dass die Bezeichnungen weggespült werden. Mit Ausnahme von Gegenständen wie Töpfe, Pfannen, Kocher, Spiritus und Dosennahrung, die lediglich in einem Einkaufsnetz eng an das Boot angebracht werden müssen, muss das übrige Essen und Ausrüstung in wasserdichten Taschen und Tonnen untergebracht werden. Schlafsäcke, Ersatzkleidung und Kameras sollten extra geschützt werden, indem sie noch einmal einzeln in Plastiktüten verpackt und versiegelt werden. Sowohl die Behälter, als auch Hilfsausrüstung wie Paddel, Ösfässer und Anker müssen fest an das Boot angebracht werden.

Viele Jollensegler schlafen lieber unter einer Plastikfolie (Tarp) anstatt ein Zelt zu verwenden. Auf keinen Fall darf das Hauptsegel als Abdeckung verwendet werden, außer in lebensbedrohlichen Situationen, da die ernsthafte Gefahr besteht, diese teuren Segel ohne wirkliche Notwendigkeit zu ruinieren.

Es ist unpraktisch, einen Anhänger für die Jolle zu transportieren, aber zwei bis drei Plastikrohre, jedes ca. einen Meter lang, können als Rollen dienen und dabei helfen, die Jolle über kurze Distanzen zu transportieren und in das Wasser zu lassen bzw. aus dem Wasser zu holen. Bauhofabfälle genügen hier völlig. Eine voll beladene Jolle kann für zwei, drei oder, im besten Falle, vier junge Leute sehr schwer sein, besonders wenn sie über die Hochwassertandsmarke transportiert werden muss. Es wird erwartet, dass offene Kielboote über Nacht vertäut und fest verankert werden.

Die Hilfsausrüstung wird zu einem gewissen Grad vom Gewässer bestimmt, das befahren wird. Die Ausrüstung auf der folgenden Liste kann jedoch als Basisausrüstung dienen:

Hauptausrüstung für das Boot

  1. Anker und Festmacher

  2. Wurfleine

  3. Fangleinen und/oder Ersatzleine

  4. Eimer, Ösfass/Lenzpumpe und Schwamm

  5. Landkarten in wasserdichter Hülle

  6. Kompass(e)*)

  7. Reparaturausrüstung

  8. Schwimmfähiges Messer

  9. Starke wasserdichte Taschenlampe*)

  10. Leuchtraketen, Signalhorn*)

  11. Wasser für den Notfall*)

*) auf Flüssen möglicherweise überflüssig

Außerdem muss die allgemeine Liste der Expeditionsausrüstung der Anleitung „Ausrüstung“ beachtet werden. Der größte Teil der Ausrüstung gilt für alle Fortbewegungsarten, wenngleich gelegentlich gewisse Anpassungen vorgenommen werden müssen.

Kleidung

Diese Liste kann als Checkliste verwendet werden, wobei zu beachten ist, dass es nachts am Übernachtungsplatz sehr kalt werden kann:

  1. Angemessene Kleidung inklusive Schutz für den Kopf, die Hände und Füße

  2. Eine Garnitur Wechselkleidung in einem wasserdichten Container.

  3. Fußschutz muss die ganze Zeit über getragen werden – Jollenschuhe, Turnschuhe, Deckschuhe oder Plastiksandalen sind ideal.

Persönliche- und Notfallausrüstung

  1. Rettungsweste mit Pfeife

  2. Biwaksack

  3. Wasserdichte oder Wasser abweichende Uhr

  4. Segelmesser mit Klinge, Dosenöffner und Marlspieker

  5. Streichhölzer in wasserdichter Verpackung

  6. Persönliches Erste-Hilfe-Set

  7. Notrationen

  8. Kleine wasserdichte Taschenlampe mit Ersatzbirne und -batterien

  9. Notizblock und Bleistift

  10. Telefongeld/Telefonkarte

Persönliche Tourenausrüstung und Gruppenausrüstung für das Biwak

Diese Ausrüstung entspricht praktisch der von Landunternehmungen. Lediglich der Rucksack wird durch wasserdichte Tonnen ersetzt.

 

Ausbildung

Es muss das allgemeine Ausbildungsprogramm wie im Handbuch dargestellt zusammen mit den Hinweisen zu Wasserunternehmungen der Anleitung „Unternehmungen auf dem Wasser“ befolgt werden. Bei Unternehmungen auf Inlandsgewässern genügt es in aller Regel, den Teilnehmern die Navigation zu Land beizubringen; auf anderen Gewässern ist es jedoch notwendig, die Land- durch Wassernavigation zu ersetzen. Bezüglich der Segelfertigkeiten müssen die oben dargestellten Ausbildungshinweise befolgt werden. Zusätzlich müssen die Teilnehmer in der Lage sein, das Reparaturset zu benutzen und Notreparaturen durchzuführen.

 

Aufsicht

Aufsichtspersonen müssen mit dem Inhalt der Anleitung „Überwachung von Abschlussunternehmungen“ vertraut sein und die Genehmigung des Programmanbieters besitzen.

Für Expeditionen auf Binnengewässern ist die Ausbildung entsprechend dem „Dinghy Instructor“ bzw. „Keelboat Instructor“ der RYA geeignet; deutsche Mindestqualifikation ist der A-Schein des DSV bzw. des VDS in Verbindung mit hinreichender Praxis. Die Aufsichtsperson muss eine beträchtliche Erfahrung mit der Gewässerart besitzen, die von den Jugendlichen befahren wird und Wetter- und Wasserbedingungen abschätzen können. Unternehmungen auf der Jolle, die auf Flüssen und Kanälen stattfinden, können meist vom Ufer aus überwacht werden, vorausgesetzt, die Aufsichtsperson besitzt ein angemessenes Verkehrsmittel (Auto, Fahrrad) und kann die Gruppe im Laufe des Tages an angemessenen Orten und auch am Biwakplatz treffen.

Bei Unternehmungen in geschützten Mündungen muss die Aufsichtsperson über eine Ausbildung entsprechend dem „RYA Advanced Dinghy Instructor“ bzw. dem RYA Yachtmater Offshore Certificate of Competence“ verfügen. Je nach Gewässer ist hier in Deutschland der B-Schein die angemessene Qualifikation. Hier muss die Aufsichtsperson die Gruppe mit einem Boot begleiten. Während der Unternehmung sollte kein Kontakt zur Gruppe hergestellt werden, es sei denn aus Gründen der Überwachung. Das Boot der Aufsichtsperson sollte so weit von der Gruppe entfernt sein, dass diese sich nicht in ihrer (eigenständigen) Unternehmung gestört fühlt, im Notfall jedoch noch nah genug ist, um hinreichend schnell eingreifen zu können.

Der Programmanbieter muss die Unternehmung und deren Überwachung schriftlich genehmigen.

 

Gutachten

Der Gutachter muss mit dem Inhalt der Anleitung „Gutachten“ vertraut, in seine Aufgabe eingewiesen und für seine Funktion offiziell bestellt sein. Gutachter müssen die gleiche Qualifikation bzw. entsprechende Erfahrung wie die Aufsichtspersonen besitzen und mit dem Gewässer, auf dem die Unternehmung stattfindet, vertraut sein.

 

Literatur

1. Wally Keay, Expedition Guide, 4. Aufl., Windsor 2000

2. Seemannschaft. Handbuch für den Yachtsport, 28. Aufl. Bielefeld 2007

3. Joachim Schult, Segler-Lexikon. 12. Aufl. Bielefeld 2008