Hinweise zum Expeditionsprozess beim Radfahren
Das Internationale Jugendprogramm in Deutschland e.V.
Textnummer: 720400
Erstellt am 2011/07/10, zuletzt geändert am 2011/07/10
Radfahren ist eine Fortbewegungsart, die viele besondere Möglichkeiten eröffnet, z.B. ein sehr großes Erkundungsgebiet kennenzulernen. Weil spezielle technische Kenntnisse und Fertigkeiten benötigt werden, die sich nur „live“ erlernen lassen, ist der Expeditionsprozess bei dieser Fortbewegungsart auch besonders zeitaufwendig.
Das Internationale Jugendprogramm in Deutschland e.V.
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Radfahren ist eine Fortbewegungsart, die viele besondere Möglichkeiten eröffnet, z.B. ein sehr großes Erkundungsgebiet kennenzulernen. Weil spezielle technische Kenntnisse und Fertigkeiten benötigt werden, die sich nur „live“ erlernen lassen, ist der Expeditionsprozess bei dieser Fortbewegungsart auch besonders zeitaufwendig.
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Allgemeines
Unter anderem um den „Prozessfahrplan“ flexibel gestalten zu können, ist die zeitliche Mindestleistung im Programmteil Expeditionen nur über die Abschlussunternehmung und nicht wie bei den anderen Programmteilen über die Dauer des Gesamtprozesses definiert (vgl. Grundlagenband S. 14). Die Ausführungen zum Expeditionsprozess (a.a.O. S. 39 – 45) und vor allem der Expeditionsführer machen dann aber schnell deutlich, dass der Gesamtzeitaufwand bei Gruppe und Betreuer sogar eher größer ist als in den anderen Disziplinen*).
Radfahren ist eine Fortbewegungsart im Programmteil Expeditionen, die viele besondere Möglichkeiten eröffnet, z.B. ein sehr großes und reichhaltiges Erkundungsgebiet kennenzulernen oder die Chance, umfassende Planungskompetenz zu erwerben**). Weil spezielle technische Kenntnisse und Fertigkeiten rund um das Fahrrad und das Radwandern benötigt werden, die sich nur „live“ erlernen lassen, ist der Expeditionsprozess bei dieser Fortbewegungsart auch besonders zeitaufwendig.
Zusätzliche Zeit wird an ganz verschieden Stellen benötigt:
Wer noch mit dem Rad noch nie eine Mehrtagestour unternommen hat, kann sich nur schwer ein Bild von deren besondere Möglichkeiten und Anforderungen machen. Die Vorbereitung verlangt in diesem Fall deshalb besondere Maßnahmen (z.B. ein „Schnupperwochenende“).
Das eigenständige Instandhalten und Instandsetzen des Rades, das Verhalten im Straßenverkehr sowie die im Vergleich zum Wandern noch viel wichtigere Lastreduzierung müssen „on tour“ gelernt werden – ebenso richtige und falsche Beladetechnik. Solche „Mobilkurse“ brauchen Zeit.
Es ist eine sehr große Wegstrecke unter Berücksichtigung von Anstiegen zu planen – unter zusätzlicher Berücksichtigung von Bodenbeschaffenheit und Wind. Deren Unabwägbarkeiten verlangen die Planung nicht nur von Alternativrouten, sondern auch von Ersatzbiwakplätzen. Das alles dauert Tage…
Das Prinzip „Ein Prozess, kein Preis“ gilt insbesondere für den Programmteil Expeditionen. Wie bei einem Handwerk muss hier Schritt an Schritt aufsetzen und „Abkürzungen“ gehen immer auf Kosten der Qualität – hier der Erfahrung der Teilnehmer. Diese erleben dann keinen echten Expeditionsprozess mit der versprochenen „Tiefenwirkung“ und die Abschlussunternehmung wird unter den Standardbedingungen frustrierend schwer – vor allem beim Radfahren.
Besonderheiten des Expeditionsprozesses
Im Folgenden wird der Zusatzaufwand bei den fünf Schritten des Expeditionsprozesses im Einzelnen dargestellt. Vorangestellt ist unter „Zweck“ die Kurzbeschreibung des Schritts im Diagramm auf S. 41 des Grundlagenbandes.
Vorbereitung
Zweck: Planen der Expedition einschließlich Gruppenmitglieder, Thema, Fortbewegungsart und Umgebung.
Radfahren: Vermitteln der Vor- und Nachteile von Radunternehmungen; Verstehen der Eins-zu-Zwei-Regel für unbefestigte Wege; Prüfen der Möglichkeiten, die technische Ausbildung als Aktivität im Programmteil Talente bzw. die Expedition als Erkundung (nur Silber- und Goldstufe) durchzuführen.
Ausbildung
Zweck: Allgemeine Expeditionsausbildung entsprechend dem Stoffplan sowie spezielle Ausbildung zur Fortbewegungsart.
Radfahren: Das eigenständige Instandhalten und Instandsetzen des Rades und das Verhalten im Straßenverkehr können nur „live“ vermittelt werden, ebenso Lastreduzierung, richtige Beladetechnik und die Bedeutung von Fahrbahnbelag, Steigungen und Gegenwind. Die Ausbildung muss deshalb bereits mehrere Tagestouren mit voller Beladung beinhalten. Details finden sich im Kapitel „Unternehmungen mit dem Fahrrad“ im Expeditionsführer.
Probetouren
Zweck: Mindestzahl von Probeunternehmungen, die für eine sichere und erfolgreiche Expedition notwendig sind (einschließlich der vorgegebenen Zahl von Übernachtungen).
Radfahren: Um realistisch genug zu sein, sollte die Generalprobe unbedingt die für die Expedition geforderte Zahl an Übernachtungen beinhalten und mindestens zwei Drittel der Kilometerleistung in ähnlicher Umgebung wie die Abschlussunternehmung beinhalten (bei Erkundungen die volle Kilometerzahl). Um zu sehen, was noch verbessert werden muss, sind eine genaue Planung und eine gründliche Auswertung wichtig.
Expedition
Zweck: Von der Aufsichtsperson überwachte und vom Gutachter überprüfte Expedition – einschließlich der beiden Fixpunkte Schlussbesprechung und Bericht.
Radfahren: Es ist eine sehr große Wegstrecke unter Berücksichtigung von Anstiegen zu planen und von der Aufsichtsperson zu kontrollieren. Ein Zusatzaugenmerk gilt Bodenbeschaffenheit und Wind: die Gruppe muss sich Gedanken über einigermaßen „geschützte“ Routen machen – ggf. sogar unter Inkaufnahme von längeren Strecken oder sogar Anstiegen. Unabwägbarkeiten bei Bodenbeschaffenheit und Windverhältnisse verlangen die Planung nicht nur von Alternativrouten, sondern auch von Ersatzbiwakplätzen (kürzere Strecke wegen der Zwei-zu-Eins-Regel).
Gutachten
Zweck: Im Begleitheft würdigt der Gutachter die Leistungen bei der Expedition und die Person, die die Präsentation entgegennimmt, den Bericht.
Radfahren: Im Gutachten sind besonders die Leistungen in Bezug auf den besonderen Zeitaufwand sowie die besondere Kompetenz zur Planung von Radtouren hervorzuheben. Dies verlangt vom Gutachter einen genauen Blick auch in die Vorbereitungsphase.
*) Eine Anleitung zur Abschätzung des Zeitaufwands für Betreuer im Programmteil Expeditionen für Bronze-Expeditionen mit der Fortbewegungsart Wandern findet sich in der Leitermappe.
**) Vgl. hierzu das Kapitel „Unternehmungen mit dem Fahrrad“ im Expeditionsführer.



